Im täglichen Umgang
mit Anlegern kommt ein Problem immer wieder zur Sprache:
Die teilweise großen Schwankungen an der Börse
und der damit verbundene richtige Umgang mit Verlusten.
Steigt eine Aktie, kommt die Anfrage, ob man den Gewinn
nicht lieber schnell realisieren sollte. Ist ein Papier
hingegen im Minus, wird nicht nach dem Ausstieg, sondern
nach den Chancen gefragt, dass sich die Aktie wieder
erholt.
Jeder Anleger ist sich natürlich darüber
im Klaren, dass in der Theorie Verluste dazu gehören.Ein
Verlust in der Praxis hingegen ist dann aber nicht
mehr so selbstverständlich. Ein Verlust allein
ist schon schlimm genug, aber der Gedanke, einen Verlust
zu realisieren, aus dem später ein Gewinn würde,
ist für viele unerträglich.
Jeder Verlust steht in den Augen vieler Anleger erst
einmal für einen Fehler, der durch den Verkauf
des Papiers bestätigt wird - und keiner gibt
gerne Fehler zu. Soll etwa wirklich die Entscheidung
falsch gewesen sein, die Aktie nach sorgfältiger
Analyse und wochenlanger Beobachtung zu kaufen? Dies
wollen wir uns nicht eingestehen.
Da wird sich viel lieber an die vage Hoffnung geklammert,
dass der Kurs wieder steigt und aus dem Verlust sogar
noch ein Gewinn wird.Es gibt tatsächlich Momente,
in denen dies funktioniert. In den meisten Fällen
rutscht das Papier allerdings noch weiter ins Negative.
Diese Aktien bekommen dann oft das Etikett ?Egal-Aktien"
und ?Temp-orär-Aktien" verpasst: Entweder
ist der Verlust schon so groß, dass es nun auch
egal ist, was mit der Aktie passiert oder die Aktie
ist einfach etwas länger im Depot, also nur ?temporär"
im Minus, denn die Entschei-dung zum Kauf war ja bekanntlich
richtig.
Diese Aktien werden oft über Monate gehalten,
mit der Hoffnung auf einen Turn-Around.
So weit muss es nicht kommen!
Dafür ist es zunächst einmal wichtig, dass
wir uns mit den Verlusten auseinandersetzen und diese
nicht verdrängen. Verändern Sie Ihre emotionale
Haltung gegenüber Verlusten. Wir sind als Anleger
für unsere Handlungen zwar verantwortlich aber
wir müssen uns bewusst machen, dass Verluste
selbst Teil der besten Strategien sind: Niemand kennt
alle Faktoren, die gerade wirksam oder unwirksam werden.
Ein Verlust wird zwar immer noch
schmerzen, aber vielleicht hilft diese Einstellung,
ihn nicht persönlich zu nehmen und somit rechtzeitig
zu erkennen und zu realisieren.